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DEVA
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Das Vorhaben

Ziel des fast dreijährigen Unternehmens ist es, die Tondokumente des kameruner Radios in den verschiedenen Archiven aufzuspüren und sie dann nach professionellen Kriterien zu digitalisieren. Damit wird die Basis gelegt für einen Erhalt in die digitale Zukunft hinein. Denn nur das, was in unseren Tagen auf digitalen Medien gespeichert wird, wird zukünftig Bestand haben.

Das Archiv des CRTV

Tonbänder im Archiv des CRTV in Yaoundé.

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Das Hauptgebäude des CRTV in Yaoundé.

Digitalisierung der analogen Tonband- und Schallplattenbestände der Archive des Kameruner Rundfunks (Cameroon Radio and Television, CRTV)

Über das Projekt, sein Hintergrund

Die staatliche Rundfunkanstalt von Kamerun, Cameroon Radio and Television  (CRTV), bzw. l’office public de radio et de télévision au Cameroun (Kamerun hat zwei offizielle Amtssprachen, Französisch und Englisch) verfügt über Archive mit einzigartigen Aufnahmen lokaler Musik. Die Tonträger, auf denen sich diese Aufnahmen befinden, sind zum großen Teil Spulentonbänder. Dazu kommen auch zerbrechliche Schellackplatten und Vinylplatten in unterschiedlichen Formaten. Diese mehrere tausend Stunden Klänge stellen das aufgenommene musikalische Erbe der modernen Musik Kameruns dar.

Die Bestände decken die Zeit von den 1950er bis in die 1990er Jahre ab. Die ältesten Tonbänder und Platten sind also bis zu 60 Jahre alt.  Ein beträchtlicher Teil der Bänder, aber auch der Platten, sind in bedenklichem Zustand. Neben der Zeit ist dafür das tropische Klima verantwortlich und die damit verbundene unsachgemäße Lagerung in nicht-klimatisierten Archivräumen. Welche der Tonbänder zu retten sind, welche nicht, wird sich erst im Laufe des Projekts herausstellen. 

Die Tonträger befinden sich nicht nur in der Zentrale des Radios in der Hauptstadt Yaounde, sondern auch in Zweigstellen, die das Radio in den verschiedenen  Regionen des Landes  unterhält. 

Kamerun ist kulturell ein sehr vielfältiges Land, in dem ungefähr 300 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in dem weiten Spektrum unterschiedlicher Stile in der modernen Musik wieder. Für viele Sängerinnen und Sänger, Musiker und Orchester sind die in den Archiven aufbewahrten Tondokumente oft die einzigen existierenden Aufnahmen.

Das Projekt „Digitalisierung der analogen Tonband- und Schallplattenbestände der Archive des Kameruner Rundfunks (Cameroon Radio and Television, CRTV)“ ist ein notwendiger Schritt zum Erhalt kulturellen Erbes und steht im Einklang mit der UNESCO-Konvention zum „Erhalt des immateriellen Kulturerbes“ aus dem Jahre 2003. Sie ist ein Anliegen von globaler Bedeutung. Musik wird darin eindeutig dem immateriellen kulturellen Erbe zugerechnet (Artikel 2, Punkt 2. b).

Der Umfang der existierenden Tondokumente, ihre Bedeutung für das kulturelle Erbe Kameruns, ihr beklagenswerter Zustand und die Tatsache, dass diese Schätze nur in digitaler Form erhalten und angehört werden können, führten zu der Einsicht, dass diese Schätze erhalten und gesichert werden müssen.

Beteiligte

Dieses Projekt ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von mindestens drei Institutionen in zwei verschiedenen Ländern. 

Es wird gemeinsam durchgeführt vom CRTV in Kamerun und vom Iwalewa-Haus, das Afrikazentrum der Universität Bayreuth, in Deutschland. Die Finanzierung erfolgt aus den Mitteln zum Kulturerhalt des Auswärtigen Amt in Berlin. Damit ist auch die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland vor Ort in der Hauptstadt von Kamerun, Yaounde, an dem Projekt beteiligt. Ebenso hat sich das Goethe-Institut in Yaunde von Anfang an für dieses Projekt eingesetzt und es wo es nur konnte unterstützt, besonders mit Rat und Tat durch Herrn Jung.

Die technische und administrative Betreuung wird durch die Abteilung DEVA, geleitet von Frau Sigrid Horsch-Albert M.A. (Digitalisierung, Edition und Vernetzung in den Afrika-Wissenschaften) am Iwalewa-Haus geleistet. Sie stellt ihre Datenbank für eine Langzeitspeicherung der Digitalisate zur Verfügung und garantiert die kontinuierliche Pflege der Daten.

Die Überspielung der Tonträger vom analogen Ausgangsmedium zum Datensatz vor Ort hat Joachim Oelsner übernommen, der als ein ausgewiesener Kenner kameruner Musik und Musikgeschichte gilt. Auf der Seite des CRTV wird er dabei durch den Abteilungsleiter Francois Bingono Bingono (sous-directeur des programmes radio au poste national de la CRTV Radio) unterstützt.

Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Wolfgang Bender, bekannt für seine Veröffentlichungen zur modernen afrikanischen populären Kultur, allen voran der Musik. 

Er hat neben dem Archiv am Iwalewa-Haus in Bayreuth, an der Universität Mainz das Archiv für die moderne afrikanische Musik (AMA) gegründet und über fünfzehn Jahre hinaus geleitet, bevor er - noch vor dem altersbedingten Ende seines beruflichen Wegs - zum Gründungsdirektor des Center for World Music an der Stiftung Universität Hildesheim berufen wurde.

Inzwischen ist er an das Iwalewa-Haus angebunden und erhielt von der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth eine Honorarprofessur. 

Am Iwalewa-Haus betreuen Frau Sarah Böllinger, M.A. und besonders auch die Vize-Direktorin Frau Dr. Nadine Siegert das Projekt. An der Vorbreitung des Projekts haben der IT-Fachmann Moritz Wohlgenannt und der Tontechniker Manfred (beide Bayreuth) Hübel mitgewirkt.

Seine technische Expertise zur Verfügung gestellt hat auch Günter Gretz aus Frankfurt, der neben seinem Plattenlabel  „african music“ auch Profi für technische Anlagen und Überspielungen ist. 

Digitalisierung und Archivierung

Joachim Oelsner arbeitet an der Digitalisierung mit Geräten, die vom Auswärtigen Amt finanziert wurden und von Bayreuth aus nach Kamerun versandt wurden. 

Außer den Tonbändern in dem Archiv der Hauptstadt werden Tonbänder aus allen anderen umliegenden Archiven nach Yaounde gebracht, damit sie dort ebenso in die Datenbank eingegeben werden können.

Die in Yaounde eingegebenen Daten, d.h. die Musik selbst und auch die dazugehörigen sogenannten „Metadaten“ – die Angaben zu den einzelnen Musikstücken, die zu ihrer Identifizierung notwendig sind – werden am Ende des Projekts als gesammelte Daten zum einen dem CRTV überlassen und zum anderen an DEVA Bayreuth übergeben, damit dann dort die Einspeisung in den Langzeitdatenspeicher vollzogen werden kann. Digitale Daten bedürfen der speziellen Sicherung,  besonders dann, wenn es sich um so sensible Daten handelt, wie hier bei einem Bestand, der als kulturelles Erbe einzustufen ist. Die Daten sollen an verschiedenen Orten gespeichert werden, damit nicht auf Grund von technischen oder menschlichen Fehlern diese Schätze vom Erdboden verschwinden. DEVA stellt sicher, daß alle auf ihren Servern gespeicherten Daten  qualitativ hochwertig  und langfristig auf dem aktuellen Stand der Technik gesichert werden.

Zugang zu den archivierten Aufnahmen

Der Zugang zu den in Bayreuth gespeicherten Musikdaten des CRTV-Bestands ist grundsätzlich streng reglementiert. Die kameruner Partner von DEVA haben vorab vertraglich festgelegt, wer zu welchen Konditionen Musikaufnahmen des CRTV-Bestands anhören darf. Die Audiodaten sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke, d.h. Forschung und Lehre, nach spezieller Anfrage zugänglich. Die Metadaten hingegen sind weltweit über das Internet abrufbar. Dadurch wird es ermöglicht, den CRTV-Archivbestand nach Musikern, SängerInnen und Orchestern zu durchsuchen.

Ziel des Projekts

Das wichtigste Ziel des Projekts ist der Erhalt der einmaligen Bestände an moderner Musik aus Kamerun, die in den Archiven des CRTV gesammelt sind. Durch die Digitaisierung wird ein Zeugnis der kulturellen Geschichte Kameruns für nachfolgende Generationen erhalten. 

Nach der erfolgreichen Digitalisierung der Tonbänder und Schallplatten wird das Radio in der Lage sein, längst vergessene Lieder wieder in sein Programm zu übernehmen und auf diese Weise der kameruner Öffentlichkeit Beispiele der eigenen Musikgeschichte zu präsentieren. 

Neben der Verwendung im alltäglichen Radioprogramm ist auch eine ständige Präsentation ausgewählter Musikschätze im Hauptgebäude des CRTV in Yaounde geplant.

Dazu soll ein Portal im Foyer des Gebäudes eingerichtet werden, an dem BesucherInnen nach ihrem Gefallen, Aufnahmen aus der Geschichte der kameruner Musik anhören können. 

Damit wird dieser Teil des kulturellen Erbes Kameruns der Allgemeinheit wieder zugänglich gemacht – ganz im Sinne der UNESCO Konvention. 

Weiterhin soll eine Auswahl der Aufnahmen aus dem Archiv auf einer Doppel-CD veröffentlicht werden. Diese CD, durch ein umfangreiches Beiheft ergänzt, wird erstmalig viele der bedeutenden kameruner Sängerinnen und Sänger aus den verschiedenen Generationen auf einer Veröffentlichung zusammenbringen.

Projektablauf

Das Projekt ist über den Zeitraum von drei Jahren konzipiert. Eröffnet wurde das Projekt nach einer Vorbereitungsphase am 4.6. 2012 und wird mit dem Ablauf des Jahres 2014 beendet sein. Zur feierlichen Eröffnung des Projekts in der Residenz das Botschafters der Bundesrepublik Deutschland kamen Vertreterinnen aus dem ganzen Spektrum der Kultur, der Musik und der Medien. Zur Begrüßung sprach zuerst der Chargé d´Affairs der Botschaft, Herr  Philipp Rössler. Es folgten Beiträge von Herrn Bingono Bingono und Prof. Wolfgang Bender.